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Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

Die Generationen, die mit VIVA und MTV aufgewachsen sind, können es sich gar nicht mehr vorstellen: Zu Beginn des Musikfernsehens gab es in Deutschland genau ein Format, das englischsprachige Musik zeigte. Am 25. September 1965 flimmerte der Beat-Club zum ersten Mal über deutsche Mattscheiben.

„Guten Tag, liebe Beat-Freunde. Nun ist es endlich soweit. In wenigen Sekunden beginnt die erste Show im deutschen Fernsehen, die nur für euch gemacht ist. Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beatmusik vielleicht nicht mögen, bitten wir um Verständnis. Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute. Und nun geht’s los.“

Hier könnt ihr euch die Ansage zum ersten Beat-Club anschauen:

 

Mit diesen Worten wird am 25. September 1965 die erste Folge des Beat-Club eingeleitet. Was heute nach Realsatire klingt, fußt zu jener Zeit auf einer begründeten Befürchtung: Die meisten Erwachsenen begegnen Beatmusik mit großer Skepsis oder gar Ablehnung, ein Dialog der Generationen scheint in den meisten Fällen unmöglich. Trotzdem (oder vielleicht auch deshalb) entwickelt sich die Musiksendung zu einer der erfolgreichsten des deutschen Fernsehens.

Gemeinsam führt das Moderatorenpaar Uschi Nerke und Gerhard Augustin die junge Zuschauerschaft durch ein Programm, das eigens auf junge Musikfans zugeschnitten wurde. So bietet die Sendung langfristig Liveauftritte bekannter Bands, eingespielte Filme beliebter Gruppen sowie GoGo-Girls. In der ersten Folge bleiben die ganz großen Stars noch aus, stattdessen besteigen für die Premiere die Yankees aus Bremen, die Liverbirds aus England und John O’Hara & His Playboys die Studiobühne.

Der Beat-Club wird international

Ausgestrahlt wird der Beat-Club an jedem Samstag von 16:45 bis 17:15 Uhr. Am 4. Dezember 1965 gelingt es dem Produzententeam von Radio Bremen zum ersten Mal, international renommierte Acts in der Sendung zu platzieren. Mit den Auftritten von Sonny & Cher sowie Gerry & The Pacemakers gelingt dem Format der Sprung in die Champions League der deutschen Musikwelt.

Am 28. Mai 1966 wird Gerd Augustin von Moderator Dave Dee abgelöst, der für acht Folgen an Bord bleibt. (Genau, dem Dave Dee von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich.) Später tritt hin und wieder Eddi Vickers als Moderator auf. Ab der 35. Folge (1968) steigt auch der WDR in die Produktion des Beat-Club ein, die Sendezeit beträgt nun 60 Minuten. Über die musikalischen Darbietungen hinaus setzt das Format auch optisch neue Maßstäbe. Vor allem die experimentellen visuellen Effekte von Michael „Mike“ Leckebusch, der den Beat-Club gemeinsam mit Gerhard Augustin konzipiert, revolutionieren das Fernsehen und zeigen eine psychedelische Ästhetik, die es so noch nicht gab. Ebenfalls revolutionär: der Einsatz von Jingles.

Ein neues Konzept

Ab 1969 stellt der Beat-Club sein Konzept um. Spielten die gastierenden Gruppen vormals oft Playback und entstammten vor allem den Hitparaden, treten nun oft progressivere Bands auf und spielen live. Ab 1970 wird die Sendung dann sogar in Farbe ausgestrahlt, nun übernehmen endgültig Künstler wie Santana, Jethro Tull, Yes und Deep Purple das Zepter.

Die GoGo-Girls tanzen am 30. Mai 1970 zum letzten Mal. Da mit dem Programm des Beat-Club nicht mehr der Geschmack der Masse getroffen wird, verabschieden sich in den folgenden Jahren immer mehr Zuschauer, bis die Sendung im Dezember 1972 schließlich eingestellt wird. Als Nachfolgesendung entsteht der Musikladen, moderiert von Uschi Nerke und Manfred Sexauer.

Quelle uDiscover

Am 28.9.2009 stirbt die echte „Lucy In The Sky With Diamonds“ viel zu früh.

Die Namen „Lucy Vodden“ oder „Lucy O’Donnell“ rufen in der Regel Fragezeichen auf, dabei inspiriert die Kindheitsfreundin von John Lennons Sohn Julian 1967 die Psychedelic-Nummer Lucy In The Sky With Diamonds. Am 28. September 2009 verliert sie den Kampf gegen eine Autoimmunerkrankung. Schauen wir zum Jahrestag ihres Todes auf die Geschichte hinter dem Beatles-Song.

Als Lucy In The Sky With Diamonds 1967 auf dem Beatles-Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band erscheint, sorgt der Song für einige Aufregung. Die britische Öffentlichkeit und Presse tun ihn als Drogenhymne ab, buchstabieren doch die Subjektive im Songtitel klar „LSD“. Die BBC geht gar so weit, das Lied gar nicht mehr zu spielen, was in jenem Jahr allerdings keine Seltenheit bleibt. Dabei gehört die Geschichte des Stücks zu einer der schönsten im gesamten Katalog der „Fab Four“:

Acid oder Alice?

John Lennons Sohn Julian, der während der Entstehungsphase des wegweisenden Albums den Kindergarten besucht, bringt von dort eines Tages ein Bild mit nach Hause. Bandkollege Ringo Starr wohnt dem Moment bei, in dem der vierjährige Julian seinem Vater die Zeichnung vorlegt und stolz verkündet, sie zeige „Lucy in the sky with diamonds“, also „Lucy im Himmel mit Diamanten“. Damit meint er seine Kindergartenfreundin Lucy O’Donnell, für die er laut eigenen Angaben damals ordentlich was übrig hat: „Ich weiß auch nicht, warum ich es so nannte oder warum es so aus meinen übrigen Kunstwerken herausstach, aber offensichtlich mochte ich sie damals.“ Auf der tollen Website www.beatlesbible.com findet sich sogar ein Foto, das (vermutlich) genau dieses Gemälde zeigt.

Lennon Senior, der zu diesem Zeitpunkt tief in der Lektüre von Lewis Carrolls Alice im Wunderland steckt, erkennt einige Parallelen zu den Inhalten des Romans und zeigt sich auch sonst begeistert vom Werk des Sohnemanns: „Ich fand das wunderschön. Ich habe sofort einen Song darüber geschrieben.“ Paul McCartney fügt später bloß noch die „newspaper taxis“ und „cellophane flowers“ hinzu. Wir halten also fest: Drogen haben, wenn überhaupt, nur indirekt mit dem Song zu tun.

Aus Versehen inspiriert

Doch die Beatles wären nicht die Beatles, wenn nicht am Rande auch noch eine Portion Tragik mitgespielt hätte. In diesem Falle trifft der Schicksalsschlag Lucy O’Donnell selbst, die mittlerweile Vodden mit Nachnamen heißt. Bei ihr diagnostiziert man Anfang der Zweitausender die Autoimmunerkrankung Lupus. Als Julian von der Krankheit Wind bekommt, nimmt er erneut Kontakt zur früheren Freundin auf und versucht, Trost zu spenden – unter anderem durch Gutscheine für Gärtnereien, als er hört, dass hier eine Leidenschaft von Lucy liegt. Am 28. September 2009 allerdings verliert die unfreiwillige Muse viel zu früh den Kampf gegen die Krankheit und stirbt mit nur 46 Jahren. Sie reiht sich so in die Liste von Beatles-Weggefährten ein, die vor ihrer Zeit ihr Ende fanden, wie etwa Brian Epstein, Stu Sutcliffe oder Tommy Moore.

So richtig kann Lucy das Privileg, ein derart wichtiges Lied inspiriert zu haben, übrigens nie auskosten: „Als Teenager habe ich mal den Fehler gemacht, einigen Schulfreunden zu erzählen, dass ich die Lucy aus dem Song sei, und sie sagten: ‚Nein, bist du nicht, meine Eltern haben gesagt, da geht’s um Drogen.‘ Danach habe ich es dann für mich behalten.“ Rest in peace, Lucy.

 

Quelle: uDiscover